Inhaltsbereich

Resolution des Gemeinderats Saarwellingen

Für innovative Industrie- und Gewerbeansiedlungen auf dem Ford-Gelände und Zukunftsperspektiven bei den Zulieferbetrieben.

In der Gemeinderatssitzung vom 30.06.2022 wurde eine Resolution für die Ford-Werke Saarlouis eingebracht, welche von allen Fraktionen mitgetragen und beschlossen wurde. Über Parteigrenzen hinweg stehen alle hinter den Beschäftigten von Ford Saarlouis, dem Supplier-Park und den Zuliefererbetrieben.

RESOLUTION
Für innovative Industrie- und Gewerbeansiedlungen auf dem Ford-Gelände und Zukunftsperspektiven bei den Zulieferbetrieben.

Am 22.06.2022 verkündete Ford, dass das Werk in Valencia den Zuschlag für die neuen Elektro-Fahrzeuge erhalten wird. Damit könnte - was wir nicht hoffen - in Saarlouis nach über 50 Jahren die Produktion von Ford-Fahrzeugen nach dem Jahr 2025 ihrem Ende entgegengehen. In der Pressemitteilung von Ford heißt es dazu nur lapidar: „Die heute bekannt gegebene Entscheidung ist das Ergebnis umfassender Konsultationen mit den Teams in Valencia, Spanien, und Saarlouis, Deutschland. Das Ford-Werk in Saarlouis wird weiterhin den Ford Focus produzieren. Gleichzeitig wird Ford Optionen für zukünftige Konzepte für diesen Standort evaluieren.“[1]

Die Werke in Saarlouis und Valencia wurden von der Ford Zentrale aufgefordert ein Angebot für ein internes Bieterverfahren einzureichen, an dessen Ende sich entscheiden solle, wo die neuen Elektro-Fahrzeuge in Europa gebaut werden. Sinn und Zweck dieses Bieterverfahrens war es dabei einzig und allein, die Werke Saarlouis und Valencia gegeneinander auszuspielen. Wäre dieser Prozess wirklich „fair“ gewesen, so wie es das Ford-Management stets betont, dann hätten die Angebote auch von einem unabhängigen Wirtschaftsinstitut geprüft werden können, wie es die Landesregierung vorgeschlagen hatte[2]. Sich dagegen zu entscheiden zeigt, dass das Ford-Management nach seinen eigenen, subjektiven Kriterien entscheiden wollte.

In den letzten Jahren haben die Beschäftigten bei Ford viel mitgemacht, damit das Werk in Saarlouis auch weiterhin bestehen bleibt. Wichtig war immer, dass das Ford-Management rechtzeitig und konkret eine Perspektive nach dem Auslaufen des Focus aufzeigt. Aber wer jetzt erst davon spricht „Optionen für zukünftige Konzepte zu evaluieren“, der geht blauäugig in die Zukunft und hofft, dass jemand anderes eine Lösung findet. Eine solche Hängepartie, um ihre persönliche Zukunft und die ihrer Familien, ist den tausenden von Beschäftigten bei Ford, dem Supplier-Park und den weiteren Zulieferbetrieben nicht zuzumuten, es ist intolerabel. Das Ford-Management darf sich hier nicht aus seiner Verantwortung stehlen!

Ford ist mehr als nur ein Betrieb. Über 50 Jahre lang war es ein wirtschaftliches Standbein für den Kreis und für zehntausende Berufstätige. Jugendliche, die hier ihre Ausbildung machten, Männer und Frauen, die ihren Lebensmittelpunkt aufbauten und bis zur Rente eine sichere, gut bezahle Arbeit hatten. Mit der Entscheidung des Ford-Managements wurde hier ebendieses Standbein den Beschäftigten weggezogen.

Die Gemeinde Saarwellingen ist ebenfalls direkt betroffen. Das Ford-Werk ist unser Nachbar und das ist wörtlich zu verstehen. Nur wenige hundert Meter trennen das Werk von der Gemeindegrenze. Damit ist Saarwellingen das Zuhause von Zulieferbetrieben, die entweder ganz oder teilweise von Ford abhängig sind und von vielen Familien, in denen mindestens eine Person entweder bei Ford, im Supplier-Park oder einem Zulieferbetrieb arbeitet oder gearbeitet hat.

Ein Ende von Ford in Saarlouis bedeutet also nicht nur den Verlust von Steuereinnahmen und Kaufkraft der Menschen vor Ort. Es bedeutet auch, dass über Jahrzehnte gewachsene, soziale Strukturen auf der Kippe stehen. Die Unsicherheit, wie es nach 2025 für viele weitergeht, ist größer geworden und viele Fragen haben sich aufgetan oder werden sich noch auftun, die es zu beantworten gilt. Das ist die Pflicht der Politik, aber auch explizit des Ford-Managements, das sich hier nicht aus der Verantwortung stehlen darf!

Der Gemeinderat der Gemeinde Saarwellingen fordert daher, dass die Gemeinde Saarwellingen alle nachfolgenden - an die Verantwortlichen gerichteten - Maßnahmen im Rahmen ihrer Möglichkeiten nach Kräften unterstützt

  • das Ford-Management muß umgehend konkrete Lösungen erarbeiten und vorlegen, die Perspektiven für die Jahre nach 2025 aufzeigen. Dies beinhaltet neben dem Ford-Werk auch den Supplier-Park und die Zulieferbetriebe, die das Ford-Werk beliefern. Des Weiteren muss Ford, sofern eine unternehmenseigene Perspektive für den Standort Saarlouis aufgezeigt wird, schnellstmöglich in diesen investieren und die vorhandene Technik auf die Bedürfnisse künftiger E-Autos umstellen.
  • von der Landesregierung müssen schnellstmöglich Beratungsstellen angeboten werden für die Beschäftigten, aber auch für die Zulieferbetriebe, um Fragen zu beantworten und Unsicherheiten auszuräumen. Hier soll die Gemeindeverwaltung sich im Rahmen ihrer Möglichkeiten darum bemühen, lokale, niederschwellige Angebote zu schaffen, bei denen sich die Beschäftigten melden können um von dort persönlich beraten und dann an die richtige Stelle im Land verwiesen werden zu können. Dies soll nach Möglichkeit zusammen mit den Betriebsräten der einzelnen Firmen erfolgen.
  • die Landesregierung soll, was sie ja auch bereits angekündigt hat, für den Fall, dass es keine Perspektive seitens des Unternehmens gibt, einen Ankauf und eine Entwicklung der Fläche aus eigener Kraft anstreben.
  • die Bundes- und der Landesregierung müssen Maßnahmen zur Sicherung der Arbeitsplätze und der Weiterqualifizierung treffen, um Beschäftigten den Wechsel in neue Arbeitsverhältnisse zu ermöglichen,
  • die Landesregierung muss mit weiteren Verantwortlichen dafür sorgen, dass eine finanzielle und konzeptionelle Unterstützung der Beschäftigten des Ford-Werks, des Supplier-Parks und der Zulieferbetriebe im Falle einer Transfergesellschaft vorbereitet wird.
  • die Landesregierung muss Perspektiven für den Supplier-Park und die Zulieferbetriebe in den Städten und Gemeinden erarbeiten.

Die Gemeindeverwaltung soll hierbei diesen Prozess mit Land und Saarwellinger Betrieben begleiten und die notwendige Transformation der Saarwellinger Betriebe unterstützen.

[1] Die vollständige Pressemitteilung vom 22.06.2022 ist unter media.Ford.com/content/Fordmedia/feu/de/de/news/2022/06/22/Ford-beschleunigt-seine-entwicklung-in-eine-vollelektrische--ver.html abrufbar. (Stand 25.06.2022)

[2] Die vollständige Regierungserklärung vom 23.06.2022 ist unter www.saarland.de/DE/medien-informationen/informationen/regierungserklaerungen/_documents/2022-06-23-regierungserklaerung-Ford.pdf abrufbar. (Stand 25.06.2022)